Training
09.04.2026
Wie Physiotherapiepraxen ihre Einnahmen diversifizieren
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Erfolgsfaktor Selbstzahler
Die ambulante Physiotherapie befindet sich seit Jahren in einem Spannungsfeld zwischen steigenden Kosten, wachsendem Qualitätsanspruch und begrenzten Vergütungssätzen der gesetzlichen Krankenversicherung. Viele Praxen erkennen deshalb, dass Selbstzahler- und Privatleistungen nicht nur ein Zusatzangebot sind, sondern ein zentraler wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor. Sie ermöglichen eine Preisgestaltung jenseits der GKV-Vorgaben, schaffen planbare Einnahmen und stärken die Positionierung der Praxis im lokalen Gesundheitsmarkt.
Wer sind Selbstzahler eigentlich genau?
Selbstzahlerleistungen umfassen all jene Angebote, die Patientinnen und Patienten freiwillig buchen und die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Dazu gehören Wellnessund Präventionsmassagen, KinesioTaping, Faszientherapie, Wärme - anwendungen, Personal Training, medizinisches Fitnesstraining oder Kleingruppenkurse wie Rückenschule oder funktionelles Training. Auch §20-Präventionskurse zählen dazu, sofern sie nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden. Diese Leistungen sind frei gestaltbar und erlauben es Praxen, ihr Profil zu schärfen und individuelle Schwerpunkte zu setzen.
… und die privat versicherten Patienten?
Parallel dazu existieren die klassischen Privatleistungen für Privat - versicherte und Beihilfeberechtigte: Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Manuelle Lymphdrainage, Massage oder KG am Gerät. Anders als im GKV-Bereich sind die Preise hier nicht gesetzlich festgelegt. Viele Praxen orientieren sich an der Beihilfeliste oder Gebührenliste GKV als Basis, doch letztlich können sie ihre Preise selbst bestimmen. Das eröffnet wirtschaftliche Spielräume, die im GKV-System kaum vorhanden sind.
1. TIPP: Der 3. Branchenreport Physiotherapie zeigt, wie die Physiotherapiepraxen ihre Privatpreise kalkulieren. Freier Download der Studie unter www.studiephysiotherapie.de
Kür oder Pflicht?
Der wirtschaftliche Vorteil dieser Leistungen liegt auf der Hand: Sie bieten höhere Margen, sind weniger bürokratisch und ermöglichen eine flexiblere Terminplanung. Gleichzeitig erhöhen sie die Attraktivität der Praxis für Mitarbeitende, die zunehmend Wert auf moderne, vielfältige Arbeitsumfelder legen. Für Patientinnen und Patienten entsteht ein Mehrwert durch individuelle Angebote, die über die reine Heil - mittelversorgung hinausgehen. So gesehen sprechen wir hier eher von der Pflicht, diese Leistungen anzu - bieten, wenn die Praxis wirtschaftlich und zukunftssicher ausgerichtet sein soll.
Der ETL ADVISION Gehaltskalkulator bringt Klarheit
Damit Selbstzahlerleistungen wirtschaftlich tragfähig sind, braucht es eine klare Kalkulation. Ausgangspunkt sind die tatsächlichen Kosten pro Stunde: Personalkosten inklusive Lohnnebenkosten, Raumkosten, Verwaltung, Material und Abschreibungen. Hinzu kommt eine angemessene Gewinnmarge, die die wirtschaftliche Entwicklung der Praxis sichert. Ein Beispiel verdeutlicht die Logik: Betragen die Gesamtkosten einer Praxis 45 Euro pro Stunde und soll eine Marge von 30 Prozent erzielt werden, ergibt sich für eine 30 minütige Selbstzahler-Massage ein Preis von rund 29 bis 35 Euro. Dieser Preisrahmen ist realistisch, marktüblich und wirtschaftlich sinnvoll. Viele Praxen runden bewusst auf klare Beträge wie 30 oder 32 Euro auf, um eine transparente Preisstruktur zu schaffen.
2. TIPP: Der ETL ADVISION-Gehalts - kalkulator ist genauso ein Tool, um auch Selbstzahlerleistungen wirtschaftlich zu kalkulieren. Mehr Infos können Sie bei dem Autor dieses Artikels abrufen.
Ein weiterer Baustein sind Abo-Modelle, die planbare Einnahmen ermöglichen und die Patientenbindung stärken. Ein Massage-Abo mit vier Einheiten pro Monat oder ein Trainings-Abo für die Nutzung des Gerätebereichs schafft regelmäßige Umsätze und entlastet die Praxis von saisonalen Schwankungen. KombiAbos, die Training und Massage verbinden, erhöhen zusätzlich die Attraktivität des Angebots. Wichtig ist, dass solche Modelle realistisch kalkuliert sind und die Kapazitäten der Praxis berücksichtigen. Eine Mischkalkulation ist üblich: Einige nutzen das Abo intensiv, andere weniger – wirtschaftlich gleicht sich das aus.
Die Rahmenbedingungen entscheiden mit über den Erfolg
Für den Erfolg von Selbstzahler- und Privatleistungen ist jedoch nicht nur die Kalkulation entscheidend, sondern auch die Positionierung. Praxen sollten klar kommunizieren, wofür sie stehen: hochwertige Massagen, sportorientierte Therapie, Prävention, Training oder spezialisierte Behandlungen. Eine transparente Preisgestaltung, professionelles Marketing im eigenen Haus und ein gut geschultes Team sind zentrale Erfolgsfaktoren. Mitarbeitende müssen die Leistungen kennen, erklären und empfehlen können – ohne Verkaufsdruck, aber mit Überzeugung.
Fazit
Selbstzahler- und Privatleistungen sind damit weit mehr als ein Zusatzgeschäft. Sie sind ein strategisches Instrument, um die wirtschaftliche Basis der ambulanten Physiotherapie zu stärken, die Attraktivität der Praxis zu erhöhen und Patientinnen und Patienten ein erweitertes, hoch - wertiges Angebot zu bieten. In einem Gesundheitssystem, das sich zu - nehmend wandelt, sind sie ein entscheidender Baustein für Zukunftsfähigkeit und unternehmerische Stabilität.
AUTOR
Betriebswirt (VWA) und KMUBerater (nach DIN 33459) Christoph Soldanski, seit über 25 Jahren in der Heilmittelbranche, leitet den Bereich Heilmittel bei ETL ADVISION, eine Unternehmens gruppe, die auf die Beratung im Gesundheitsmarkt spezialisiert ist – mit Steuerberatern, Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern.
E-Mail: christoph.soldanski@etl.de
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