Therapie
11.06.2026
UNITED THERAPY auf Expansionskurs
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Titelstory 04/26: Wie sich NOVOTERGUM und VITA gemeinsam zu einem neuen Marktführer im ambulanten Markt für Heilmittel und Gesundheitssport geformt haben.
Mit dem Zusammenschluss der NOVOTERGUM Gruppe sowie der VITA Gruppe unter der UNITED THERAPY ist Ende 2025 der größte ambulante Therapieverbund Deutschlands entstanden. Zukünftig agiert das Management der etablierten Marken NOVOTERGUM und VITA mit ihren über 100 Standorten und fast 2.000 Mitarbeitenden gemeinsam und verfolgt eine klare Wachstumsstrategie.
Dabei geht es den Verantwortlichen nicht allein um Größe. Vielmehr entsteht ein integriertes Versorgungssystem mit Schnittstellen der ambulanten Heilmittelversorgung und den Elementen des Gesundheitssports mit Selbstzahlerbereichen, welches therapeutische und gesundheitssportliche Qualität, Digitalisierung, Mitarbeiterentwicklung und wirtschaftliche Skalierung als ganzheitliches Geschäftsmodell intelligent miteinander verbindet.
Unterstützt durch Investitionsmittel und Wachstumskapital im hohen zweistelligen Mio. € Bereich verfolgt UNITED THERAPY das Ziel, die Anzahl der Standorte in den kommenden Jahren deutschlandweit zu verdoppeln und den damit erarbeiteten Gruppenumsatz zu vervielfachen. Dazu hat die UNITED THERAPIE eine eigens dafür entwickelte Plattform implementiert.
TT-DIGI Geschäftsführer Patrick Schlenz sprach mit Ilmarin B. Schietzel, dem CEO der UNITED THERAPY, mit Marc Adler, dem CFO/COO der UNITED THERAPIE sowie mit Andreas Tappe und Raimund Hortmann, den verantwortlichen Geschäftsführern der VITA Gruppe, über die Hintergründe des Zusammenschlusses, die Rolle von KI und Digitalisierung, die Herausforderungen im Fachkräftemarkt – und darüber, warum strategische und größere Strukturen im Heilmittelmarkt in Kombination mit den Elementen einer integrierten Versorgung künftig eine immer bedeutendere Rolle spielen werden.
TT-DIGI: Herr Schietzel, mit UNITED THERAPY ist ein neuer großer Marktteilnehmer entstanden. Was ist die grundlegende Idee hinter diesem Zusammenschluss?
Ilmarin B. Schietzel: Unser Ziel ist es, Menschen in den Regionen, in denen wir tätig sind, eine möglichst flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung anzubieten. Dabei verfolgen wir einen konsequent holistischen Ansatz. Wir betrachten nicht nur einzelne Rezeptleistungen, sondern die gesamte Patientenreise. Der Patient soll sich dauerhaft gut betreut fühlen – von der Therapie über Präventionsangebote bis hin zu Training und langfristiger Gesundheitsbegleitung. Gleichzeitig wollen wir Menschen motivieren, selbst aktiv etwas für ihre Gesundheit zu tun. Deshalb verbinden wir therapeutische Leistungen zunehmend mit hochwertigen Angeboten im Selbstzahlerbereich.
TT-DIGI: Herr Tappe, die VITA Gruppe gilt als besonders stark im Bereich ganzheitlicher Betreuung. Welche Kompetenzen bringt VITA in die Partnerschaft ein?
Andreas Tappe: Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren intensiv mit integrierten Versorgungskonzepten und der Verzahnung verschiedener Leistungsbereiche. Unser Ansatz war immer, Patienten nicht nur kurzfristig therapeutisch zu begleiten, sondern sie langfristig an Bewegung und Gesundheit heranzuführen. Deshalb haben wir beispielsweise bereits früh das Berufsbild des Gesundheitsberaters etabliert. Diese Mitarbeiter begleiten Patienten über den gesamten Prozess hinweg und sorgen dafür, dass Übergänge zwischen Therapie, Training und Prävention reibungslos funktionieren.
TT-DIGI: Herr Adler, Wachstum ist das eine – aber der Fachkräftemangel ist aktuell die größte Herausforderung der Branche. Wie begegnen Sie diesem Thema?
Marc Adler: Die Mitarbeitenden entscheiden heute maßgeblich über den Erfolg eines Standorts. Deshalb müssen wir uns als Arbeitgeber attraktiv aufstellen. Es geht längst nicht mehr nur um Gehalt, sondern um ein Gesamtpaket aus Team- und Führungsstruktur, Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten und Arbeitsqualität. Und diese Karrierechancen können wir den Mitarbeitenden als UNITED THERAPIE eröffnen. Viele Therapeuten möchten heute abwechslungsreiche Tätigkeiten ausüben und sich weiterentwickeln. Manche möchten nicht dauerhaft ausschließlich an der Bank stehen. Große Strukturen bieten hier deutlich mehr Möglichkeiten – etwa Spezialisierungen, verschiedene Flächenkonzepte, Führungsaufgaben oder Tätigkeiten im Management und in der Organisation. Damit einhergehend bieten sich natürlich auch die entsprechenden Gehaltschancen.
T-DIGI: Herr Hortmann, Sie verantworten bei VITA unter anderem die Themen Akquisition, Wachstumsstrategie und Finanzierung. Wie wichtig ist Kapital für die weitere Expansion?
Raimund Hortmann: Eine starke Kapitalbasis ist natürlich eine wichtige Grundlage, wenn man nachhaltig wachsen möchte. Für die Expansion und die Eröffnung beziehungsweise Integration neuer Standorte steht umfassendes Wachstumskapital zur Verfügung. Gleichzeitig haben unsere strategischen Partner signalisiert, weiteres erhebliches Wachstumskapital bereitstellen zu wollen, um die aktuellen Wachstumschancen zu nutzen. Unser klares Ziel ist es, die Anzahl der Standorte innerhalb der nächsten Jahre zu vervielfachen. Dafür benötigen wir nicht nur finanzielle Mittel, sondern insbesondere auch skalierbare Organisationsstrukturen mit standardisierten Akquisitons- und Integrations-Prozesse. Dabei legen wir bei der Unternehmensübernahme Wert auf die Einbindung von vorhandenen Managementpotentialen. Wichtig ist aber: Wachstum funktioniert nur dann nachhaltig, wenn die organisatorischen Prozesse mitwachsen. Genau deshalb investieren wir mit der UNITED THERAPY massiv in standardisierte Strukturen, zukunftsorientierte Prozesse und Digitalisierung.
TT-DIGI: Herr Schietzel, Sie sprechen häufig von einer digitalen Systemplattform. Was genau darf man sich darunter vorstellen?
Ilmarin B. Schietzel: Wir haben eine Plattform geschaffen, in der sämtliche relevanten Prozesse standardisiert hinterlegt sind – von HR über Einkauf und Finanzwesen bis hin zu Marketing und operativen Abläufen in den Einrichtungen. Das Besondere ist, dass dieses System permanent lernt. Erfahrungen aus allen Standorten fließen in das System ein, teilweise in Echtzeit, und entwickeln die Organisation kontinuierlich weiter. Dadurch entsteht eine in sich lernende Organi - sation, die skalierbar bleibt und gleichzeitig hohe Qualitätsstandards sichert. Gerade mit Blick auf unser Ziel, in den kommenden Jahren die Unternehmensgröße durch den Aufbau von Verticals durch organisches und anorganisches Wachstum weiter auszubauen, wird diese zentrale Plattform der UNITED THERAPY ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Diese integrierten Systeme versorgen uns in Echtzeit mit Daten und laufenden Kennzahlen, woraus sich dann wiederrum ziel - gerichtete Wachstumsstrategien und operative Initiativen ableiten und umsetzen lassen.
TT-DIGI: Herr Adler, welche Rolle spielt KI innerhalb dieser Systemlandschaft?
Marc Adler: KI wird künftig eine immer größere Rolle spielen. Schon heute analysieren unsere Systeme beispielsweise Ausfallquoten bei Terminen. Daraus kann die KI ableiten, wie viele zusätzliche Termine sinnvoll vergeben werden können, um Leerlauf zu minimieren und gleich - zeitig die Versorgung zu verbessern. Die Auslastungsgrade der Mitarbeitenden sind durch den Einsatz von KI signifikant gestiegen und damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Zudem können wir die Behandlungs- und Ergebnisqualität rund um unsere Patientenversorgen laufend auswerten und verbessern. Ein weiterer Bereich ist das Recruiting. Wenn wir auf Basis historischer Daten erkennen, welche Marketingmaßnahmen wie erfolgreich sind, lassen sich Budgets gezielt skalieren und effizienter einsetzen.
TT-DIGI: Herr Tappe, welche Bedeutung hat die horizontale und vertikale Diversifizierung der Leistungsangebote?
Andreas Tappe: Eine absolut große Rolle. Der Markt entwickelt sich zunehmend weg von reinen Rezeptleistungen hin zu integrierten Gesundheitslösungen. Deshalb ist es wichtig, die gesamte Wertschöpfungskette zu bespielen und unterschiedliche Leistungsbereiche anbieten zu können – von klassischer Physiotherapie über ambulante Reha und T-RENA bis hin zu RV Fit oder Präventionsangeboten. Und innerhalb der genannten Leistungsbereiche ergeben sich weiter - gehende Synergiepotenziale, welche wir mit UNITED THERAPY erschließen werden. Dies schafft nicht nur bessere Versorgungsmöglichkeiten für Patienten, sondern sorgt auch wirtschaftlich für mehr Stabilität und Ertragskraft und unterschiedliche Abrechnungswege.
TT-DIGI: Herr Hortmann, Sie haben angekündigt, auch künftig weitere Unternehmen integrieren zu wollen. Nach welchen Strukturen suchen Sie?
Raimund Hortmann: Ich bin seit 35 Jahren in der Fitness- und Gesundheitsbranche verwurzelt. So gelingt mir aktuell ein Zugang zu starken lokalen Hidden Champions – also Unternehmen mit hoher Qualität, teilweise auch im therapeutischen Bereich, mit starken Teams und guter regionaler Verankerung. Besonders interessant für uns sind Strukturen mit mehreren Standorten. Hier sind wir mit UNITED THERAPY ein starker Ansprechpartner für Unternehmensnachfolgen, Unternehmensübergaben und Unternehmensintegration unter den Marken VITA und NOVOTERGUM. Wir möchten erfolgreiche Unternehmen mit unserer Expertise unterstützen und weiterentwickeln, gegebenenfalls unter Einbindung der übergebenden Partei. Durch unsere Kapitalkraft sowie die vorhandene Systemplattform der UNITED THERAPIE können neue Standorte vergleichs weise schnell integriert werden, ohne dass die operative Versorgung darunter leidet.
TT-DIGI: Herr Adler, wie gelingt es, neue Mitarbeiter langfristig im Unternehmen zu halten?
Marc Adler: Neben guten Arbeits - bedingungen spielen insbesondere Entwicklung und Integration eine große Rolle. Deshalb haben wir strukturierte Onboarding – Prozesse auf gebaut. Darüber hinaus investieren wir stark in Weiterbildung und setzen auf eine eigene Akademie für unsere mittlerweile fast 2.000 Mitarbeitende.
TT-DIGI: Herr Schietzel, welche Rolle spielen starke Marken wie NOVOTERGUM und VITA im Markt?
Ilmarin B. Schietzel: Eine sehr große. Patienten, Ärzte, Kostenträger, Mit - arbeiter und Kooperationspartner suchen Verlässlichkeit und klare Qualitätsstandards und belastbare Leistungsversprechen. Starke Marken schaffen Vertrauen und Orientierung. Gerade in einem fragmentierten Marktumfeld sind professionelle Strukturen ein entscheidendes Signal. Sie zeigen, dass Prozesse funktionieren, Qualität nachhaltig gesichert ist und langfristig gedacht und gehandelt wird.
TT-DIGI: Herr Tappe, welche Veränderungen beobachten Sie aktuell im Betreibermarkt?
Andreas Tappe: Viele Praxisinhaber stehen zunehmend unter Druck. Themen wie Fachkräftemangel, Bürokratie, Digitalisierung oder Nachfolgefragen werden immer komplexer. Gleichzeitig sind viele Betreiber fachlich hervorragend aufgestellt, ver - fügen aber naturgemäß nicht immer über umfassende betriebswirtschaftliche Ressourcen. Deshalb werden Kooperationen oder Anbindungen an größere Strukturen künftig sicherlich häufiger eine Rolle spielen, um den wachsenden Anforderungen des Betreibermarktes gerecht zu werden, auch hinsichtlich der steigenden Betriebsgrößen.
TT-DIGI: Herr Hortmann, welche Botschaft möchten Sie potenziellen Partnern oder Praxisinhabern mit geben?
Raimund Hortmann: Wir verstehen uns als langfristiger Partner. Unser Ziel ist es, erfolgreiche lokale Unternehmen in die Familie der UNITED THERAPY zu integrieren, ihnen gleichzeitig den Zugang zu professionellen Strukturen, Finanzierungsmöglich - keiten und organisatorischem Know – How zu ermöglichen. Viele Betreiber wünschen sich heute Planungssicherheit und eine Perspektive für die Zukunft ihres Lebenswerks. Genau dafür sind wir mit unserem Team ein verlässlicher Ansprechpartner.
TT-DIGI: Herr Schietzel, wo sehen Sie UNITED THERAPY in fünf Jahren?
Ilmarin B. Schietzel: Wir wollen eines der führenden integrierten Therapieund Gesundheitsnetzwerke Deutschlands aufbauen – mit hoher thera - peutischer Qualität, attraktiven Arbeitsplätzen und modernen digitalen Strukturen. Die geplante Verdopplung unserer Standortanzahl in den nächsten Jahren ist dabei ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Entscheidend ist für uns jedoch nicht allein die Größe, sondern die Art und Weise, wie wir wachsen: nachhaltig, qualitäts - orientiert und mit konsequentem Fokus auf unser operatives Kern - geschäft – mit den Menschen im Mittelpunkt. Gleichzeitig wollen wir unsere hohen Qualitätsstandards sichern, stetig weiterentwickeln und ver bessern. Dabei geht es uns nicht nur um Wachstum, sondern um innovative Versorgungskonzepte, die Patienten, Mitarbeitern und Partnern langfristig einen echten Mehrwert bieten.
Vielen Dank für das Interview.
Auf einen Blick
Mit UNITED THERAPY formiert sich derzeit einer der ambitioniertesten Anbieter im deutschen Heilmittelmarkt. Unter dem Dach der UNITED THERAPY sind die beiden etablierten Marken NOVOTERGUM und VITA zusammengeführt worden und bilden gemeinsam einen der größten ambulanten Therapieverbünde Deutschlands. Der Zusammenschluss steht exemplarisch für die zunehmende Professionalisierung und Konsolidierung der Branche.
Die Kombination aus therapeutischer Kompetenz, professionellen Organisationsstrukturen, datengetriebenen und KI-gestützten Prozessen und erheblicher Finanzierungskraft dürfte den Wettbewerb nachhaltig verändern. Gleichzeitig positioniert sich UNITED THERAPY bewusst als attraktiver Partner für Praxisinhaber, die in einem zunehmend komplexen Marktumfeld nach langfristigen Perspektiven und Nachfolgelösungen suchen.
Mit dem klar formulierten Ziel, die Anzahl der Standorte in den kommenden Jahren zu verdoppeln, senden UNITED THERAPY, NOVOTERGUM und VITA zudem ein deutliches Signal in den Markt: Der Aufbau großer, professionell organisierter Gesundheitsnetzwerke wird die Zukunft des Heilmittelmarktes maßgeblich prägen.
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