Gesundheit
14.05.2026
Prävention früh ansetzen
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Bewegungsförderung für Kinder
‚Vorbeugen ist besser als heilen‘ und ‚Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr‘ – dies lehrt uns nicht nur der Volksmund, sondern es entspricht auch weitgehend den Erfahrungen im realen Leben. Daher sollte im Kindesalter so früh wie möglich eine Basis für Fitness und Gesundheit gelegt werden. Denn der Präventionsgedanke bzw. die Schaffung guter Voraussetzungen für eine erfolg - reiche Gesundheitskarriere können nicht früh genug beginnen.
Der Bewegungsmangel ist leider längst auch bei Kindern angekommen. Die Zahlen dazu sind etwas unterschiedlich, aber die deutliche Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland bewegt sich zu wenig, etwa 20 bis 30% sind übergewichtig und hinsichtlich der Gesundheit der Kinder (Diabetes Typ 2, motorische Defizite, Verhaltensauffälligkeiten, Haltungsschwächen etc.) ist die Lage mittlerweile so gravierend, dass wir auf eine gesundheit - liche Katastrophe zu steuern.
Es braucht neue Bildungsziele
Wo kann der heutige Bewegungsmangel gezielter und besser kommuniziert und die Voraussetzungen für das Verständnis und die Handlungskompetenz für einen aktiven, gesundheitsorientierten Lebensstil besser gelegt werden als im Kindergarten und in der Schule? Ohne eine dringend notwendige Neubewertung und eine anschließende Umsetzung von Bildungszielen und Inhalten wird nicht nur der Bewegungsmangel und seine Folgen zur größten Epidemie aller Zeiten, sondern auch gesamtgesellschaftlich die notwendige Grundlage dafür fehlen, dass die Bewegung und seine naturgegebene Lebensnotwendigkeit Akzeptanz findet.
Passen Fächerkanon und die Gestaltung des Schulalltags noch zu den Herausforderungen der Gegenwart? Werden Kinder gut genug auf den Umgang mit digitalen Geräten vorbereitet? Haben Bereiche wie Kreativität, Kunst und Sport genug Raum? Leider sitzen Kinder bereits in der Schule sechs Stunden oder länger ohne gezielte Bewegungspausen – bevor sie dann später im Beruf oft noch länger sitzen. Dieser Zustand schreit nach Veränderung!
Wie viel Bewegung darf es sein?
Bei der Frage, wie viel Bewegung und/oder Sport es im Kindes- und Jugendalter sein sollte, ist eine indirekte Antwort vielleicht am sinnvollvollsten. Denn würde man nur den natürlichen Bewegungsdrang von Babys, Kinder und Jugendjahren unterstützen und fördern, in dem man z.B. auch in allen Bildungseinrichtungen eine tägliche Bewegungseinheit, sowie aktive Pausen zum Standard macht, wäre schon ein großartiger Fortschritt in die richtige Richtung gemacht.
Ähnlich wie beim Baby, das sich eigenständig über Strampeln und Krabbeln die Voraussetzungen für den aufrechten Gang, Mobilität und Fortbewegung erwirbt, könnte auch die natürliche Neugierde und der Entdeckungsdrang der Kinder im Rahmen des Bildungssystems gefördert werden.
Fach ‚Friluftsliv‘ in Norwegen
Ein gutes Beispiel liefern hier die nordischen Länder. In Norwegen ist das Draußensein und das Sammeln von Naturerfahrung fest im Kindergarten verankert. Mindestens einmal in der Woche muss man sich hier, den ganzen Tag lang, im Freien aufhalten. Und dieser Ansatz wird dann in der Schule fortgeführt, wo das Fach Friluftsliv (Freiluftleben), ein fester Bestandteil des Stundenplans ist und später sogar auch studiert werden kann. Dass durch die im Kindes- und Jugendalter gemachten Erfahrungen, eine wichtige Basis, sowohl bezüglich des Verständnisses für die Natur und naturgegebenen Notwendigkeiten, aber auch für das eigene Verhalten als Erwachsener gelegt wird, ist die logische Konsequenz. Ein Beleg hierfür ist, dass Norwegen bereits 1972, als erstes Land, ein Umweltministerium eingerichtet hat.
Apropos Natur. Trotz, oder gerade aufgrund unserer Bequemlichkeit und technologischen Hilfen sollte mehr Augenmerk auf die Bewegung und Fortbewegung mittels Muskelkraft gelegt werden. Denn es liegt uns quasi in den Genen. Noch vor wenigen Generationen hat der Mensch die meisten Wege zu Fuß zurückgelegt. Heute ist es nur noch ein Bruchteil vergangener Strecken. Ohne Kompensation ist es da nicht verwunderlich, dass es zu Auswirkungen kommt.
Sichere Schulwege & Krafttraining
Dass Kinder mit dem Auto, oder mit dem Bus zur Schule gefahren werden, ist somit weder eine grandiose Idee noch eine bedeutende Errungenschaft. Vielmehr müsste der Fokus auf sichere Schulwege gelegt werden, wo die Kinder durch Erfahrungslernen die Fortbewegung als Normalität und Notwendigkeit für eine aktive und erfolgreiche Gesundheitskarriere erfahren. Die Fortbewegung mit Muskelkraft und der aufrechte Gang ist bis heute eine wichtige Basis für unsere Organstrukturen und -funktionen und sollte deswegen auch in den Schulen eine entsprechende Bedeutung zugemessen werden.
Zudem steht heute, im Gegensatz zu früheren Diskussionen, zweifelsfrei fest, dass auch im Kindesalter das Krafttraining, bzw. kräftige Übungen, nicht nur unproblematisch, sondern, durch den Wegfall vieler Alltagsaktivitäten und viele Kraft- und Ausdauerorientierte Spiel- und Wettkampfformen, eine sinnvolle und sogar notwendige Kompensation darstellt.
Gesundheit & Psyche
Da es bei der Bewegungserziehung und dem Sammeln von Bewegungserfahrung, neben funktionellen Aspekten, nicht zuletzt auch um die für die Gesundheit so wichtigen psychosomatischen Wechselwirkungen geht, darf dieser Aspekt natürlich nicht unterbewertet werden. Neueste Untersuchungen belegen, dass heute bereits 25% der Schüler psychische Auffälligkeiten aufweisen, mit ansteigender Tendenz. Würde man hier einen ursachen - orientierten Ansatz als Problemlösungen wählen und die oben erwähnten Wirkungsmechanismen und Wechsel - wirkungen bei körperlichen Aktivitäten endlich mal ernst nehmen, wäre eine Umkehrung dieser erschreckenden Entwicklungen, nicht nur realistisch, sondern relativ einfach realisierbar.
Auch dies setzt allerdings voraus, dass die Bewegung, einschließlich Sport, endlich eine entsprechende Gewichtung im Bildungswesen erhält und dass die Notwendigkeit von Erfahrungslernen, insbesondere von basalen motorischen Aktivitäten, sowie das Erlernen und Erfahren wichtiger Alltagsaktivitäten und Lifetime-Sportarten Akzeptanz findet, auch im Sinne der Prävention.
Dieter Lagerström
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