Digitalisierung
10.09.2026
Neu Lernen lernen
© KI-generiert mit Gemini von Christine Papadopoulos und Christoph Santner
Warum KI-Kompetenz zur wichtigsten Qualifikation im Gesundheitsmarkt wird
„Lernen”. Was löst dieses Wort bei Ihnen aus? Unangenehme Erinnerungen an vergangene Schulzeiten? An Stress bei Prüfungen? Oder ist da auch noch diese Entdeckerfreude, die wir als Kleinkinder hatten, als wir begannen, die Welt zu begreifen? Als wir die Eltern mit unseren Fragen löcherten, weil wir so neugierig und wissbegierig waren? Als Erkennen und Lernen so viel Spaß machten?
Die gute Nachricht: Die gleiche Entdeckerfreude kann heute wieder erlangt werden, mit einem KI-Coach an der Seite. Doch wer jetzt auf diese Chance verzichtet, kann morgen schnell im Abseits stehen.
Von vielen Fitness-Studios, Physiotherapiepraxen und Gesundheits - zentren wird nach wie vor ein Bogen um KI gemacht. Einige scheuen sie wie der Teufel das Weihwasser. Doch wie heute ein Leben ohne Internet kaum vorstellbar ist, wird eine Zu - kunftsgestaltung ohne KI-Kompetenz schlicht und ergreifend nicht wettbewerbsfähig sein.
Denn KI verändert nicht nur, was und wie in Studios trainiert wird und wie sie gemanagt werden. Sie verändert auch fundamental, wie Teams lernen, Wissen aufbauen und Kompetenzen entwickeln. Wer dies ignoriert, wird mittelfristig keine qualifizierten, zukunftsfähigen Mitarbeitenden haben.
Lernen – ein Leben lang
Lange galt in der Fitnessbranche ein klares Modell: Ausbildung abschließen, Zertifikate sammeln, gelegentlich Weiterbildungen besuchen. Das war’s dann meistens schon. Dieses Modell hat heute ausgedient.
Eine aktuelle Studie des World Economic Forums zeigt: In den nächsten fünf Jahren werden rund 39 Prozent der Kernkompetenzen, die Arbeitnehmer heute haben, veraltet sein. Dieser „Future of Jobs“-Report spricht von einer globalen „Re-skilling-Revolution" – nicht nur neue Inhalte müssen erarbeitet werden, das Lernen selbst muss neu erlernt werden. Denn wir erleben jetzt eine Informations- und WissensExplosion wie noch nie in der Menschheitsgeschichte. Diese Herausforderung gilt es zu meistern.
Für die Fitnessbranche bedeutet das: Ein Trainer, der heute exzellent in Bewegungsanalyse ist, muss morgen auch wissen, wie KI-gestützte Tools seine eigene Wahrnehmung ergänzen und verfeinern können. Eine Studioleitung, die heute souverän im Mitgliedermanagement ist, muss künftig verstehen, wie prädiktive Al gorithmen bevorstehende Abwanderungen erkennen, bevor sie tatsächlich geschehen. Die Frage lautet nicht mehr: Müssen wir uns weiterbilden? Sondern: Wie schaffen wir eine Lernkultur, die mit der Geschwindigkeit der KI-Entwicklung Schritt hält? Und wie können wir unseren KIQ steigern, unseren Künstlichen Intelligenz Quotienten? Denn darum kommen wir heute nicht mehr herum.
KI als Lernpartner – nicht als Lernersatz
Viele Studio-Inhaber sehen KI entweder als Bedrohung für ihre Mitarbeitenden oder als Allheilmittel, das Weiterbildung überflüssig macht. Beides ist falsch. KI ist kein Trainer-Ersatz. Sie ist ein Tandem-Partner. Ähnlich wie beim Tandemfahren gibt es vorne den Menschen, der die Richtung vorgibt, und hinten einen, der die Kraft verstärkt, eben die KI. Doch die menschliche Expertise bleibt unverzichtbar: Empathie, situatives Urteilsvermögen, die echte Beziehung zum Mitglied. Was KI dazugibt, ist Geschwindigkeit, Datentiefe, Skalierbarkeit, Intelligenz.
Dieses Potenzial zeigt sich bereits in konkreten Anwendungen: EGYM entwickelt KI-gestützte Systeme, die Trainingsdaten in Echtzeit auswerten und automatisch individuelle Anpassungen vorschlagen. Was früher Stunden manueller Analyse erforderte, dauert heute Sekunden. Technogym hat mit dem Konzept „Healthness" eine neue Philosophie eingeführt, die auf KI-optimierten, ganzheitlichen Programmen basiert. milon richtet Trai ningsgeräte durch den sogenannten milonizer schnell und präzise auf den Körpertyp jedes Nutzers ein. Der entscheidende Faktor: Diese Systeme funktionieren nur so gut wie die Menschen, die sie bedienen, sie verstehen und entsprechend anleiten können. Hier setzt die eigentliche Kompetenzfrage an.
KI-Kompetenz wird unverzichtbar
Was bedeutet es konkret, KI-kompetent zu sein? Einen hohen KIQ zu entwickeln? Also den digitalen Brain-Score nach oben zu pushen? Was heißt das für einen Trainer, eine Studiobesitzerin, ein Team? Man kann es sich wie einen Trainingsplan vorstellen: Wer nur Kraft trainiert und Ausdauer, aber Beweglichkeit und Koordination vernachlässigt, der wird kein ausgewogenes Ergebnis erzielen. Genauso wenig reicht es bei KI, nur die bekannten KI-Tools bedienen zu können, wenn das Grundverständnis fehlt.
Die Haltung entscheidet: Bin ich offen dafür, mit KI zu arbeiten – oder sehe ich sie primär als Bedrohung? Sicher: KI ist nicht alles. Aber ohne KI ist bald alles nichts. Längst hält sie Einzug in alle Bereiche unserer Lebens- und Arbeitskultur. Studios, die eine offene Experimentierkultur fördern, haben hier einen strategischen Vorteil. Es geht hier nicht um eine zusätzliche Informatikausbildung. Die Grundkompetenz – Offenheit und etwas Neugierde vor - ausgesetzt – lässt sich in wenigen Stunden vermitteln. Und dann heißt es wie immer im Leben: üben, üben, üben. Und dann auch anwenden.
Konkrete Ansätze für Praxen und Studios
Weiterbildung muss sich von einem einmaligen Event zu einem permanenten Prozess wandeln. Das klassische Modell – einmal im Jahr eine Fortbildung, ein Zertifikat, fertig – ist zu langsam. Studios, die ihre Teams zukunftsfähig aufstellen wollen, brauchen kontinuierliche Lernformate: kurze, regelmäßige Micro-Learnings, interne Wissens-Teilung, digitale Lernplattformen. Internationale Anbieter wie Coursera oder LinkedIn Learning bieten KI- spezifische Kurse an, die gut auf den Fitnesskontext übertragen werden können.
Für das Managen von Studios gibt es KI-gesteuerte Plattformen wie Anolla, die Trainerpläne, Kapazitätsgrenzen, Preise und Wartelisten in Echtzeit optimieren und sich automatisch an die Arbeitsabläufe des Studios an - passen. Der integrierte KI-Assistent löst laut Anbieter bis zu 79,3% der Standardanfragen von Mitgliedern selbstständig. Comosio ist eine KI-gestützte, DSGVOkonforme Dokumentationssoftware speziell für Physiotherapie- und Ergotherapiepraxen in Deutschland. Per Spracherkennung werden strukturierte Befunde, Therapiepläne und Arztbriefe automatisch erstellt und direkt in bestehende Verwaltungssysteme integriert.
Natürlich gibt es auch branchenspezifische Ausbildungen wie etwa „Künstliche Intelligenz in der Physiotherapie“, angeboten vom Physio Deutschland. Wichtig ist es, Mitarbeitende auf die KI-Entdeckungsreise mitzunehmen. Vorhandenes Wissen zu nutzen. Neue Erkenntnisse zu erschließen. Sinnvoll sind hier Pilotprojekte: Ein Bereich wird ausgewählt, zum Beispiel die Mitgliederkommunika - tion oder die Trainingsplanung, ein Tool wird eingeführt, das Team lernt damit umzugehen, Erfahrungen werden bewertet. Dieser schrittweise Ansatz reduziert mögliche Frustra - tion und erhöht die Lerngeschwindigkeit.
Zukunftsorientierte Studios beginnen außerdem, bei der Personalgewinnung auf KI-Affinität zu achten. Nicht als Ersatz für fachliche Qualifikation, sondern als Ergänzung. Wer heute einen Trainer einstellt, der sich aktiv mit neuen Technologien auseinandersetzt, investiert in die Zukunfts - fähigkeit des gesamten Teams.
Der Faktor Mensch bleibt entscheidend
Kein Algorithmus ersetzt die motivierende Ansprache eines guten Trainers, das empathische Gespräch nach einem schwierigen Training, oder die persönliche Beziehung, die Mitglieder langfristig bindet. Was KI verändert, ist die Bühne, auf der diese mensch - lichen Kompetenzen zur Geltung kommt. Trainern erhalten mehr Zeit für das, was sie wirklich gut können, weil Routineaufgaben automatisiert werden. KI ermöglicht Studioinhabern tiefere Einblicke in die Mitgliederstruktur. Und sie gibt Teams neue Werkzeuge zur Hand.
Die wichtigste Fähigkeit der kommenden Jahre ist nicht das Beherrschen eines bestimmten Tools. Zentral wird die Lernkompetenz selbst sein: die Bereitschaft, sich KIunterstützt kontinuierlich weiterzuentwickeln. Es gilt, mit KI die eigene Intelligenz zu boosten. Neues zu entdecken und dann zu integrieren. Und bei all dem den menschlichen Kern nicht zu verlieren. KI-optimierte Maschinen lernen mit jeder Interaktion dazu. Die Kernfrage ist: Tun wir das auch?
Quellen & weiterführende Links
- - World Economic Forum: The Future of Jobs Report 2025 https://www.weforum.org/publications/the-future-of-jobs-report-2025/in-full/3-skills-outlook/
- - EGYM Intelligenz-gestützte Trainingssysteme: www.egym.com/de/genius
- - Technogym Healthness-Konzept: www.technogym.com/de/newsroom/technogym-launch-healthness/
- - milon KI-gestützte Trainingsoptimierung: www.milongroup.com
- - Coursera: AI for Everyone: www.coursera.org/explore/generative-ai
- - Anolla: https://anolla.com/de/beste-fitnessstudio-software
- - Comisio: https://comosio.de/
- - Physio Deutschland – KI in der Physiotherapie: www.physio-deutschland.de/thema/ki-in-der-physiotherapie.html
AUTOREN
Christine Papadopoulos und Christoph Santner sind KI-Experten, Autoren und Consultants mit ihrer Firma Summit Media GmbH in Gstaad, Schweiz. Ihr Buch „KIQ – Der Künst liche Intelligenz Quotient" ist im April 2026 im Goldmann Verlag erschienen.
Kontakt: info@kiq.news
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