Digitalisierung
11.05.2026
„Lernkompetenz wird in Zukunft die wichtigste Fähigkeit sein“
© Papadopoulos + Santner
Die beiden KI-Experten Christine Papadopoulos (CP) und Christoph Santner (CS) haben kürzlich ihr erstes gemeinsames Buch mit dem Titel „KIQ® – Der Künstliche Intelligenz Quotient“ veröffentlicht. Das Autorenduo ist überwältigt von den aktuellen KI-Entwicklungen und blickt unter einer Bedingung auch optimistisch in die nähere Zukunft.
Worum geht es in dem Buch, Herr Santner?
CS: Der menschliche IQ ist begrenzt auf etwa 140. In Kombination mit künstlicher Intelligenz vergrößern wir aber unsere Fähigkeiten deutlich. Wenn man sich KI als Sportwagen vorstellt, geht es vor allem um die Fähigkeit, diesen steuern zu können. Oder nehmen wir als Bild das Tandem – in diesem Fall ist die KI der Mitfahrer, die Unterstützung. Wir haben im Buch 5 Sets für den KIQ definiert und laden den Leser dazu ein, seine Skills zu testen und zu optimieren.
Wie kamen Sie auf die Idee zum Buch, Frau Papadopoulos?
CP: Durch unsere Arbeit (auch für die TT-DIGI) stoßen wir immer wieder auf interessante Teilbereiche der KI-Forschung. In diesem Fall gab es noch keine tiefergreifenden Arbeiten und unsere Motivation war geweckt.
Was ist die gewünschte Intention?
CP: Wir beide beschäftigen uns seit vielen Jahren mit dem Thema KI, sind auf vielen Kongressen und erleben daher die neuesten Entwicklungen hautnah mit. Aus unserer Sicht ist eine Beschäftigung mit KI unerlässlich, um nicht den Anschluss zu verlieren. In China gibt es beispielsweise ab der 6. Klasse KI-Unterricht. Wir brauchen in Europa mehr Offenheit und den Willen, stets neue Dinge zu erlernen.
Werden wir künftig in immer kürzeren Zeitabständen lernen müssen?
CS: Aus meiner Sicht wird Lernkompetenz in Zukunft die wichtigste Fähigkeit werden. Wir werden, beispielsweise durch Chips, viel Wissen verfügbar haben, uns aber dennoch permanent weiterentwickeln müssen. Daher sollten auch Schulen bestmöglich vermitteln, wie man am besten lernt: kreativ und lösungsorientiert.
Was war die größte Herausforderung bei dem Projekt?
CP: Als eingespieltes Team konnten wir uns die Bereiche Recherche und Umsetzung gut aufteilen. Angesichts der rasanten Entwicklung war es für uns sehr schwierig, in diesem dynamischen Feld einen Schlusspunkt zu setzen. Da es andauernd Updates gibt, ist unser Buch quasi schon beim Erscheinen nicht mehr aktuell. Daher haben wir parallel dazu eine Website gegründet, die regelmäßige Updates für den interessierten Leser bereithält.
Die KI gilt als Unterstützung mit riesigen Möglichkeiten. Aber was passiert, wenn ihre Intelligenz uns immer mehr übertrifft?
CS: Diese Entwicklung ist nur eine Frage der Zeit und im Grunde auch wünschenswert. Jedoch muss auch sichergestellt werden, dass die KI positiv genutzt wird im Sinne des Fortschritts und sich nicht eines Tages gegen den Menschen richtet. Die KI braucht also ein ethisches Fundament. Wir haben für die Um - setzung noch ein paar Jahre lang Zeit. Das Problem ist weniger die KI als der Mensch.
Wagen wir einen Blick ins Jahr 2030 (wie im Buch) oder 2036. Wie wird KI die Welt verändert haben?
CS: Bei Innovationen gilt es stets zu unterscheiden in ‚must have‘ und ‚nice to have‘. Die Entwicklungen rund um die KI bedeuten keinen kurzen Trend, sondern einen Paradigmenwechsel. Aktuell steht durch Quantencomputer die nächste Stufe der Entwicklung mit immensen Möglichkeiten bevor. Wann und wie sich unser Alltag verändern wird, ist schwer zu sagen, aber er wird sich verändern. Lassen Sie mich dazu eine kurze Anekdote erzählen. Der Regisseur James Cameron sollte Terminator 7 drehen. Er sah aber kaum noch fiktionalen Spielraum, da die Gegenwart schon viele Science-FictionSzenarien eingeholt hat.
CP: KI war bereits an Nobelpreisen beteiligt und könnte bei der Kern - fusion eine wichtige Rolle spielen. Auch in der Medizin stoßen wir auf neue Möglichkeiten, beispielsweise im Hinblick auf Longevity. Alle Wissenschaftsbereiche werden profitieren und wir werden eine Evolution der Intelligenz erleben, KI als eine Art Urknall in dieser Hinsicht.
CS: Roboter werden immer besser und schon bald in vielen Feldern einsatzfähig sein. Schon jetzt gibt es Fabriken, in denen kein Mensch mehr arbeitet. KI-Agenten über nehmen immer mehr Jobs. Es wird nicht viel an klassischer Arbeit übrigbleiben und wir werden vor gewaltigen Herausforderungen stehen. Wie verteilen wir den Reichtum gerecht? Wie sehen Jobs der Zukunft aus? Was machen wir mit der freien Zeit?
Gibt es schon Ideen für ein nächstes Buch?
CS: Gute Frage! Vielleicht KIQ 2.0? An Ideen und aktuellen Projekten mangelt es uns nicht. Andererseits ist ein Buch auch ein großes Projekt. Derzeit entwickeln wir eine spezielle App, die das Beste aus Technologie und Coaching verbinden soll. Ein neues Buch ist noch nicht in Sicht.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Philipp Hambloch.
Das Buch „KIQ® – Der Künstliche Intelligenz Quotient“ von Christine Papadopoulos und Christoph Santner ist im April 2026 beim Goldmann Verlag erschienen.
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