Therapie

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02.04.2026

Dem Schmerz auf der Spur

Dem Schmerz auf der Spur

© Dr. Mosetter Prinzip - Vesalius Konstanz (Abbildung 2)

Myoreflextherapie®, Teil 2

Im ersten Teil haben wir die Grundlagen und die Theorie der Myoreflextherapie dargestellt (TT-DIGI 01/26). Nun wird es konkreter. Nach einem Blick auf die zahlreichen Anwendungsgebiete schauen wir uns ein Beispiel an.

Anwendungsgebiete

Die Behandlungsfelder der Myoreflextherapie sind vor allem:

  • ❯ Schmerzen und Beschwerden des Bewegungsapparates (Rücken-, Nacken-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Arthrose, Fehlhaltungen, Sportverletzungen),
  • ❯ aber auch funktionelle und neurologische Störungen (Kopf-, Kiefer-, Seh-, Schluck- und Atemprobleme, Migräne, Schwindel, MS, Parkinson, Schlaganfallfolgen,
  • ❯ somato-psychische und stressbedingte Beschwerden (Traumafolgen, Burnout, Schlafstörungen, Erschöpfungssyndrome),
  • ❯ pädiatrische Indikationen (Entwicklungsverzögerungen, KISS, Skoliose, ADS/ADHS), ❯ Long/Post-COVID,
  • ❯ Gangunsicherheit und Sturzprophylaxe im Alter.
Immer geht es um körperliche Regulation und Bewegungssymmetrie. Hier ein anschauliches Beispiel aus der Schmerz-Therapie. Im relativen Bewegungsmodell der Myoreflextherapie geht es nicht so sehr um den Schmerzort selbst, sondern um die unphysiologisch führende Muskulatur und die passiven Schenkel (also antagonistische Muskeln, die die Bewegung bremsen und so Probleme verursachen).
 

Das Knie und seine muskulären Vektoren

Funktions- und Schmerzfreiheit hängen vor allem von der Muskulatur des Beckens und von anderen Muskel Vektoren ab, die das Gelenk symmetrisch führen, oder eben auch asymmetrisch.
 
Wenn der Iliopsoas-Muskel, ein tiefer Hüftbeuger, vor allem durch vieles Sitzen häufig verkürzt oder auch übertrainiert ist, verändert sich seine Flexibilität. Dadurch verschieben sich alle Kräftevektoren in Oberschenkel und Knie: Bewegungswinkel werden ungünstig, weil ungleichförmig belastend. Zusammen mit stark trainierten Bauchmuskeln und Rectus Femoris Anteilen des Quadrizeps wird das zum Problem: Es belastet Sehnen, Bänder, Meniskus, Knorpel des Kniegelenks.
 
Die Ursachen für Probleme wie das Patellaspitzensyndrom oder eine vordere Kreuzband-Schwäche sitzen also nicht im Kniegelenk selbst, sondern weiter oben – quasi rückwärts gerechnet im Iliopsoas oder der Leiste. Auch die ischiocruralen Muskeln (Hamstrings) können Bremsen für die vordere Bewegungsseite darstellen. Wenn sie schwach oder ungleich trainiert sind – wie oft bei Profifußballern –, entstehen Signale im aktiven Schenkel: Meniskusprobleme, Knieschmerzen oder Patella-Störungen.
 
Der Tensor fasciae latae führt und stabilisiert seitlich und arbeitet normal mit dem Rectus femoris zusammen. Bei Beckenveränderungen durch den Iliopsoas kann er umfunktionieren: Verkürzte Fasern ziehen lateral, verursachen Knieschmerzen außen und Patella-Verschiebung. Im Extremfall kann er die Kniestreckung um bis zu 18° bremsen, weil Fasern gegeneinander arbeiten.
 

Zusammengefasst

Schon eine einzige veränderte Kraftlinie führt zu Ungleichgewichten: Asymmetrien, hohen Belastungspunkten an Meniskus, Kreuzbändern und Knorpel. Das stört die Bewegungsgeometrie, und so letztlich Laufökonomie, Schnelligkeit, Kraft und Leistung. Schmerzen im Knie entstehen oft durch Ungleichgewichte in Muskel-Ketten – vor allem Auswirkungen des Iliopsoas und der Hamstrings stören eine freie, aktive Bewegung.
 
Ursächliche Therapie und auch Training sollte analytisch stark sein, um so die individuell betroffenen Muskel-Vektoren und aktuelle Bewegungs-Geometrie korrigieren. Hier kommt die Wirkungsweise der KiD® Übungen ins Spiel: Kraft in der Dehnung. Im Folgenden ein konkretes ÜbungsBeispiel, das sowohl unser häufiges Sitzen und unsere vorderen Verkürzungen ausgleicht, und vor allem auch den Iliopsoas und also einen wichtigen Knie-Vektor vom Ursprung her / von der Ursache reguliert.
 

Die KiD Übung „Der Schritt“:

Anleitung: Nehmen Sie eine stabile Ausgangsstellung im Stehen ein. Machen Sie nun einen großen Schritt nach vorn. Gehen Sie mit dem Vorderbein leicht in die Knie. Die Schrittlänge und die Kniebeugung Ihres vorderen Beines sollen so groß sein, dass Sie in der Hüfte des hinteren Beines ein deutliche Dehnung verspüren. Hängen Sie sich quasi in diese Schrittstellung hinein. Die Hände können Sie an den Hüften abstützen.
 
Strecken Sie nun die Arme nach oben. Die Hand - innenflächen zeigen dabei nach vorne; die Daumen sind aufeinander zugerichtet. Legen Sie in dieser Haltung die Hände aufeinander; eine Hand hält den Rücken der anderen Hand. Die Ellbogen sollten bei dieser Übung nicht nach vorne ausweichen. So erreichen Sie eine Haltung und Grundspannung, die Ihren Brustkorb weitet.
 
Achten Sie darauf, dass Sie die Schultern lockerlassen. Schultern und Oberarme sollten eher nach hinten fallen. So bleibt der Schulter-/Nackenbereich entspannt. Der Blick richtet sich nach vorne. Wenn Sie nun den Oberkörper leicht nach hinten neigen und auch die Arme noch ein Stück weiter nach hinten bewegen, erreichen sie eine Aufdehnung der gesamten vorderen Seite oder besser Kette Ihres Körpers. Diese wird spürbar über den Brustkorb, den Bauch und Unterbauch bis hin in die Leiste (den Iliopsoas) den Oberschenkel und das Knie des hinteren Beines.
 

AUTOR
 
Dr. med. Kurt Mosetter studierte Humanmedizin an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und spezialisierte sich auf die Physik des neuromuskulären Systems bei Schmerzen des Bewegungsapparates. Er ist der Begründer der Myoreflextherapie und der Neuromyologie; mit einem eigenen Ausbildungs-Curriculum. Er ist Leiter des ZiT (Zentrum für interdisziplinäre Therapien) in Gutach und Konstanz und konsiliarisch bei der Paramed (Baar, CH) tätig. www.mosetter.de

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