Gesundheit
16.01.2026
Warum Neujahresvorsätze fast immer scheitern
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Der Jahreswechsel aus der Perspektive der Entscheidungspsychologie
Der Jahreswechsel gilt als symbolischer Neustart. Kaum ein Zeitpunkt ist emotional so aufgeladen wie der 1. Januar: mehr Bewegung, gesündere Ernährung, weniger Stress. Studien und Alltagserfahrung zeigen jedoch ein ernüchterndes Bild: Ein Großteil der Neujahresvorsätze scheitert bereits nach wenigen Wochen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Menschen sich verändern wollen – sondern warum sie so selten dabeibleiben.
Aus psychologischer Sicht liegt die Antwort weniger in mangelnder Disziplin als in der Art, wie Entscheidungen getroffen und Ziele formuliert werden.
Motivation reicht nicht aus
Neujahrsvorsätze entstehen häufig aus einem kurzfristigen Motivationshoch. Motivation ist jedoch volatil. Sie schwankt mit Müdigkeit, Stress und alltäglichen Stimmungen. Wer Verhalten allein auf Motivation aufbaut, baut auf einen instabilen Faktor. Entscheidungspsychologisch betrachtet ist Motivation der Auslöser – nicht der Träger von langfristigem Verhalten.
Entscheidend ist vielmehr, ob eine Person davon überzeugt ist, ein Ziel realistisch erreichen zu können. Dieses Gefühl beschreibt die Psychologie mit dem Begriff Selbstwirksamkeit: die Überzeugung, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Fehlt sie, wird Verhalten frühzeitig abgebrochen – nicht, weil das Ziel unattraktiv ist, sondern weil es als unerreichbar erlebt wird.
Kleine Ziele, große Wirkung
Viele Vorsätze scheitern, weil sie zu groß und zu unscharf formuliert sind. „Mehr Sport treiben“ oder „endlich abnehmen“ klingt motivierend, bleibt aber abstrakt. Psychologisch wirksamer sind kleine, klar definierte Schritte, die unmittelbar umsetzbar sind. Wer jahrelang keinen Sport gemacht hat, erlebt fünf Liegestütze am Tag nicht als banal, sondern als realistischen Einstieg.
Der entscheidende Perspektivenwechsel liegt darin, Fortschritt nicht absolut, sondern relativ zu betrachten. Fünf Liegestütze im Vergleich zu null bedeuten nicht „wenig“, sondern einen klaren Übergang vom Nicht-Handeln zum Handeln. Genau dieser Schritt ist psychologisch bedeutsam.
Verhalten entsteht durch Erfahrung
Nach dem ersten erlebten Erfolg passiert etwas Entscheidendes: Aus „Ich sollte eigentlich mehr tun“ wird „Ich habe heute etwas getan“. Diese Verschiebung ist psychologisch hoch relevant. Die innere Bewertung verändert sich, positive Erfahrungen stärken die Selbstwirksamkeit – also das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Verhalten tatsächlich umzusetzen. Auf dieser Grundlage kann Verhalten wachsen: Aus fünf werden sieben Liegestütze, aus sporadisch wird regelmäßig.
Zusätzlich können Rückmeldungen aus dem sozialen Umfeld als Verstärkung wirken. Gerade bei sichtbaren Verhaltensänderungen wie Bewegung oder Ernährung bleiben Fortschritte selten unbemerkt. Anerkennung, Nachfragen oder positives Feedback werden als Bestätigung erlebt und können das Verhalten stabilisieren. Entscheidend ist dabei, diese externe Rückmeldung nicht als alleinigen Antrieb zu verstehen, sondern als unterstützenden Faktor. Sie ergänzt die eigene Erfahrung, ersetzt sie jedoch nicht. In der Kombination aus eigenem Erfolgserleben und sozialer Bestätigung verstärkt sich das Gefühl, Verhalten tatsächlich beeinflussen und aufrechterhalten zu können.
Wenn das eigene Wort wieder Gewicht bekommt
Ein häufig unterschätzter Effekt nachhaltiger Verhaltensänderung betrifft nicht den Körper, sondern das Selbstbild. Wer sich wiederholt etwas vornimmt und es nicht umsetzt, verliert schrittweise das Vertrauen in das eigene Wort. Aussagen wie „Ich habe mir das schon häufig vorgenommen, halte es aber ohnehin nicht durch“ sind Ausdruck dieses Verlusts an Selbstverbindlichkeit. Gelingt es hingegen, kleine Vorhaben konsequent umzusetzen, gewinnt das eigene Wort wieder an Bedeutung. Jede eingehaltene Entscheidung – so unscheinbar sie wirken mag – ist eine stille Bestätigung: „Ich kann mich auf mich selbst verlassen.“ Dieses Vertrauen entsteht nicht durch große Vorsätze, sondern durch wiederholte, glaubwürdige Selbstzusagen.
In diesem Sinne ähnelt Selbstverbindlichkeit einem Handschlag: Sie funktioniert nur, wenn sie ernst genommen und eingehalten wird. Wer beginnt, sich selbst wieder als verlässlichen Partner wahrzunehmen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, auch zukünftige Entscheidungen konsequent umzusetzen.
Fazit für 2026
Nachhaltige Veränderung beginnt mit der Einstiegshürde. Nicht die großen Vorsätze entscheiden über den Erfolg, sondern die kleinen Entscheidungen. Wer Verhalten langfristig verändern möchte – sei es im privaten oder beruflichen Kontext – sollte sich weniger fragen, was er erreichen will, sondern womit er heute beginnen kann.
Autor
Robin Krüger ist Gründer von Team Krüger, einem interdisziplinären Netzwerk für Betriebliches Gesundheitsmanagement. Mit praxisnahen Impulsvorträgen, Workshops und strategischer Beratung unterstützt Team Krüger Unternehmen dabei, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden nachhaltig zu fördern. Kontakt: team@robin-krueger.com, www.team-krueger.com.
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