Recht & Steuer

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09.05.2022

Lernen vom Rattenfänger von Hameln

Lernen vom Rattenfänger von Hameln

Personalgewinnung 2.0

Im Physio- und Fitnessbereich kommt es derart stark darauf an, hervorragendes, gut ausgebildetes und hoch motiviertes Personal zu finden, dass man sich schon etwas ganz Besonderes überlegen muss, um an die richtigen Leute zu kommen.

Denn eines ist klar: Die Produktivität des Unternehmens hängt oft zum Großteil von der Anzahl der beschäftigten Physiotherapeuten und Fitnesstrainer ab.

Überregionales Mitarbeiter-Recruiting nutzen

Die Personalnot ist mitunter so groß, dass selbst überregionale Stellenanzeigen geschaltet werden, um eine Vakanz doch noch besetzen zu können. Dem „Rattenfänger von Hameln“ von den Gebrüdern Grimm wird unter anderem nachgesagt, dass es sich um eine Metapher für den seinerzeit angespannten Arbeitsmarkt in Osteuropa handeln solle; nicht Ratten, sondern Kinder seien weggelockt worden, so sagt man.

Beteiligung an den Umzugskosten können den Ausschlag geben

Im übertragenen Sinn kann die Flöte des Rattenfängers in der heutigen Zeit vielleicht mit Mitarbeiter-Benefits verglichen werden, um diese in eine andere Stadt zu locken. Allen voran, die berufsbedingten Umzugskosten. Denn der Arbeitgeber kann sowohl bei der Suche einer geeigneten Wohnung am Beschäftigungsort unter die Arme greifen als auch doppelte Mietzahlungen oder die nachgewiesenen Umzugskosten wie Speditionskosten, Einlagerungskosten oder Maklergebühr übernehmen.

Ohne Einzelnachweis können Pauschalen nach dem Bundesumzugskostengesetz lohnsteuer- und beitragsfrei gezahlt werden; genauso sollte in der Regel Umsatzsteuer nicht anfallen. Wichtig ist dabei, dass der Umzug tatsächlich im eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers liegt und nahezu ausschließlich beruflich veranlasst ist. Um auf Nummer sicherzugehen, sollte man mit seinem Steuerberater besprechen, was möglich bzw. günstiger ist.

Nettolohnoptimierung durch Mitarbeiter-Benefits

Damit ein Interessent tatsächlich einen Arbeitsvertrag unterschreibt, ist mitunter mehr nötig als nur ein gutes Gehalt. Denn mit steigendem Einkommen kommt beim Arbeitnehmer aufgrund des linear-progressiven Einkommensteuertarifs prozentual immer weniger Netto an. Da kann es besser sein, sich im Vorfeld über passende Mitarbeiter-Benefits Gedanken zu machen. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist enorm.

Mit individuellen Mobilitätsofferten punkten

Mitarbeitern, die nicht in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes wohnen, wird gern ein steuerfreies Job-Ticket zur Verfügung gestellt. Fährt einer bzw. eine lieber mit dem privaten Pkw, ist auch ein pauschalversteuerter Zuschuss zu den Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte möglich.

Doch warum kleckern, wenn man klotzen kann? Vor allem im ländlichen Raum mit schlechtem öffentlichen Personennahverkehr könnte auch ein Firmenwagen zur privaten Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Das kommt beim Arbeitnehmer gewöhnlich sehr gut an. Denn selbst wenn das Fahrzeug ausschließlich für Privatfahrten und Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wird, so muss die Privatnutzung im Grunde nur mit einem Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat (bzw. 12 Prozent pro Jahr) angesetzt werden. Der Arbeitgeber kann alle anfallenden Kosten wie Benzin, Pflege- und Wäsche und Reparaturen in voller Höhe übernehmen und als Betriebsausgaben geltend machen. Leasingraten sind ebenfalls abzugsfähig.

Staat hilft bei der Finanzierung

Besser geht es aber noch, wenn das Unternehmen das Fahrzeug selbst anschafft und gegebenenfalls finanziert. Denn bereits bis zu drei Jahre vor der geplanten Anschaffung des Fahrzeugs können kleine und mittlere Betriebe mit einem jährlichen Gewinn von bis zu 200.000 Euro einen gewinnmindernden Investitionsabzugsbetrag (IAB) in Höhe von bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten geltend machen.

Von den verbleibenden Anschaffungskosten können dann im Investitionsjahr und in den vier Folgejahren zusätzlich noch bis zu 20 Prozent Sonderabschreibungen neben der degressiven Absetzung für Abnutzung – das sind 25 Prozent bzw. maximal das 2,5-fache der linearen Absetzung für Abnutzung – geltend gemacht werden. Außerdem können voll vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer die ihnen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen.

Sachbezugswert durch E-Mobilität gering halten

Handelt es sich um ein reines Elektrofahrzeug oder zumindest über ein Plug-in-Hybridfahrzeug, dann ergeben sich weitere massive Vorteile. Denn für bestimmte reine E-Fahrzeuge ist der Sachbezugswert nur zu einem Viertel, bei bestimmten Plug-in-Hybriden nur zur Hälfte, anzusetzen.

Handelt es sich in unserem Beispiel um ein begünstigtes Elektrofahrzeug, dann würde monatlich lediglich ein Sachbezugswert von 89,25 Euro für die Privatnutzung anfallen zzgl. eines kleinen Aufschlags für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Und das, obwohl die tatsächlichen Kosten weit höher liegen. Das spart nicht nur Lohnsteuern beim Arbeitnehmer, sondern auch Sozialversicherungsbeiträge, sodass der Arbeitgeber ebenso einen Vorteil besitzt.

Umsatzsteuerliche Unsicherheit im Auge behalten

Die Überlassung eines Firmenfahrzeugs an Mitarbeiter zur Privatnutzung ist in voller Höhe umsatzsteuerpflichtig. Das hat jedenfalls das Bundesfinanzministerium Anfang 2022 noch einmal in Bezug auf die Überlassung von Fahrrädern bekräftigt. Es kann hier auf die lohnsteuerlichen Werte (ohne die Erleichterungen für Elektro-/Hybridfahrzeuge) zurückgegriffen werden. Die Umsatzsteuer kann aber auch geschätzt werden.

Doch die Art der Umsatzbesteuerung ist noch nicht in Stein gemeißelt. Denn der Europäische Gerichtshof hat die Besteuerung der Privatnutzung von Firmenfahrzeugen durch Arbeitnehmer Anfang 2021 etwas infrage gestellt. Das könnte negative Auswirkungen auf den Vorsteuerabzug haben.

Da derzeit noch unklar ist, wie sich die Finanzverwaltung hier positionieren wird, sollte man die weitere Entwicklung genau im Auge behalten.

Thomas Pech


Praxisbeispiel

Ein neuer Fitnesstrainer soll ab Januar 2022 ein neues Firmenfahrzeug im Wert von 35.700 Euro erhalten. Die darin enthaltene Umsatzsteuer von 5.700 Euro kann direkt in voller Höhe geltend gemacht werden, sodass sich Anschaffungskosten des Fahrzeugs von netto 30.000 Euro ergeben.

Für die geplante Anschaffung im Januar 2022 kann bereits im Jahr 2021 ein IAB in Höhe von 15.000 Euro gebildet werden. Von den verbleibenden 15.000 Euro werden in 2022 die vollen 20 Prozent Sonderabschreibung in Höhe von 3.000 Euro geltend gemacht. Daneben wird zusätzlich die degressive Absetzung für Abnutzung von 3.750 Euro geltend gemacht. Im Ergebnis wurde das Fahrzeug nach dem ersten Nutzungsjahr somit bereits auf einen Buchwert von 8.250 Euro abgeschrieben. Nach dem ersten Nutzungsjahr hätte der Betrieb somit ein Abschreibungsvolumen von insgesamt 21.750 Euro genutzt. Bei einem unterstellten Steuersatz des Betriebs von lediglich 30 Prozent entspräche dies immerhin einer Steuerminderung i. H. v. 6.525 Euro.

Zusammen mit der geltend gemachten Vorsteuer von 5.700 Euro ergeben sich bis zum Ablauf des ersten Nutzungsjahrs also Steuerminderzahlungen von 12.225 Euro, die direkt für die Finanzierung des Fahrzeugs genutzt werden können. Somit müssten nur die verbleibenden 23.475 Euro länger finanziert werden.

Tabellarische Übersicht über ausgewählte steuerbegünstigte Zuschüsse und Sachbezüge


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